Nachruf · Historie
Der beste Starnberger Fußballer ist tot

Starnberg – Der beste Fußballer, der je in Starnberg gespielt hat – da waren und sind sich alle Experten einig – ist tot. Ex-Bundesliga-Profi Jürgen Täuber verstarb am Freitagabend friedlich daheim in Parsdorf mit 71 Jahren an den Folgen einer Aortenthrombose (Blutgerinnsel in der Hauptschlagader), wegen derer er seit Anfang des Jahres mit kurzen Unterbrechungen im Klinikum Großhadern und im Klinikum Ebersberg lag. Der Top-Sportler durch und durch (spielte nach der Fußball-Karriere bis letztes Jahr leidenschaftlich und auf hohem Niveau Golf) wog zuletzt nur noch 50 Kilo, brauchte sogar zum Gehen einen Rollator. „Er war ein Häufchen Elend“, erzählt Bruder Stephan (59), der jeden Tag bei ihm war. Vergangene Woche kam Jürgen erneut in die Klinik. „Am Montag erfuhren wir dann, dass es bald zu Ende gehen wird“, berichtet er.
„Alt werden ist kein Spaß. Bin auf Reha in Bad Griesbach. Mir geht’s zum Glück ein wenig besser“, erzählte er bei unserem letzten Telefongespräch an seinem 71. Geburtstag im April. Da klang er schon geschwächt. Die Monate im Krankenhaus und auf Reha hatten deutliche Spuren hinterlassen. Die gegenseitige, jahrzehntelange Frotzelei war beendet.
1987 kam Täuber, damals 32, mit der Empfehlung von 140 Bundes- und 79 Zweitligaspielen für den 1. FC Nürnberg und Schalke 04 zum damaligen Landesligisten SpVgg Starnberg. Der Franke wollte in Starnberg nicht einfach seine Karriere locker ausklingen lassen, sondern etwas bewegen. „Ich kann halt nicht verlieren. Das lernt man als Profi. Auf dem Platz alles geben, was du drauf hast, das war für mich immer der entscheidende Faktor.“
Der Mittelfeldspieler (damals Porschefahrer), der mit seinen Brüdern Klaus (Nürnberg, Schalke und Leverkusen, 2023 verstorben) und Stephan (Schalke und Nürnberg) das bislang einzige Brüder-Trio im deutschen Fußball-Oberhaus bildete, polarisierte und eckte an, war sicher nicht jedermanns Freund. Schon gar nicht auf dem Spielfeld, beim Gegner und den Schiedsrichtern. Aber Täuber gab in jedem Spiel alles, half der Mannschaft mit seiner Routine und Erfahrung, ging als „Kapitän ohne Binde“ voraus, war Taktgeber und Vorbild für die jungen Spieler. Die beiden Bayernliga-Aufstiege 1989 unter Trainer Gerd Ritzer und 1992 unter Karl-Heinz Finsterer wären ohne den „Chef“ (Ex-Mitspieler Christian Feicht) wohl nicht möglich gewesen.
Nach den Bayernliga-Stationen Bamberg und 1860 München kam der gebürtige Erlanger, der sich selbst als „Straßenfußballer“ bezeichnete, zur SpVgg. Die legendären Siege gegen 1860 München und die beiden Aufstiege gehörten zu seinen Starnberger Highlights. Er erinnerte sich mal: „Als Rudi Hack gestorben ist, ging in Starnberg alles den Bach runter.“ Die Täubers bekamen immer volle Unterstützung von Vater Willi, der selbst in Erlangen in der Oberliga am Ball war: „Er hat alles dafür getan, dass ich und meine Brüder erfolgreich waren. Ohne ihn wären wir niemals Profis geworden.“ Als 19-jähriger Youngster stieg er in seinem ersten Profijahr mit dem Club in die Bundesliga auf, spielte da gegen Stars wie Kevin Keegan, Franz Beckenbauer, Felix Magath, Alan Simonsen oder Hansi Müller: „Was war das für eine tolle Zeit.“
1993 sagte Täuber „Servus, Starnberg“, wollte eigentlich seine Karriere beenden. Aber auch mit 38 war noch nicht Schluss. Roland Holly, der ehemalige SpVgg-Sponsor, überredete den Oldie (genauso wie Torjäger Peter Weiser), noch einmal die Fußballschuhe zu schnüren: für A-Klassist 1. FC Garmisch-Partenkirchen, mit dem Holly, auch mit Unterstützung von Ski-Legende Christian Neureuther, unbedingt in die Bayernliga wollte. Der prominente Neuzugang gab noch einmal alles: „Alle dachten, da kommt ein Abzocker. Aber das hat sich schnell geändert.“ Zwei Aufstiege, in die Bezirks- und die Landesliga, klappten. Aber dann war Schluss. Täuber hörte endgültig auf. „Ich habe festgestellt, dass der Moment gekommen war, wo ich sagen musste: Ich mag nicht mehr.“
Jetzt ist er viel zu früh gestorben. Unfassbar für Ehefrau Micheline, Freunde und alle, die mit ihm Fußball gespielt haben. Und die ihn näher kannten: „Er war bei unserem letzten Treffen im November topfit, er hat nie geraucht und keinen Alkohol getrunken. Unfassbar“, sagt Franz Wiesheu (58), der ehemalige Kapitän der SpVgg. „Ich bin echt erschüttert.“
RIP, Jürgen!
Weitere Berichte
Regionalliga Bayern · TSV Landsberg
TSV: Erster Punkt da, aber „Dolle“ weg – zu 1860!
Bezirksliga Schwaben Süd · VfL Kaufering
Kaufering lässt auch Königsbrunn keine Chance
Regionalliga Bayern · TSV Landsberg
